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Di, 13. Oktober 2020 – Kölau

Puten zurück auf die kleinbäuerlichen Höfe

In dem kleinen Dorf Kölau bei Suhlendorf bewirtschaftet die für das Tierwohl sehr engagierte Landwirtin Christine Bremer einen Bauernhof mit 45 ha Land. Im Mittelpunkt stehen bei ihr neben Hühnern vor allem Puten.

Putenmast geht auch anders

Christine Bremer hat schon früher auf dem Bauckhof in Klein Süstedt vielfältige Erfahrungen mit der Putenmast gesammelt. Dort wurde die Putenmast wegen der aufwendigen Haltungsbedingungen aufgegeben.

Frau Bremer hatte aber inzwischen eine besondere Vorliebe für Puten entwickelt, sodass sie weiter nach Wegen suchte, die Putenhaltung für kleinbäuerliche Höfe attraktiver zu machen und ihnen damit einträgliche Nebeneinkünfte zu verschaffen.

Zusammen mit dem Zoologen Dr. Jürgen Günterschulze sowie anderen fachlichen Beratern machte sie sich deshalb Gedanken, wie man robuste Puten züchten könnte, die wirtschaftlich zu halten sind. Daraus entstand das vielversprechende Projekt „ROBUSTPUTE“, das dann sogar aus dem EU–Eler-Fonds eine dreijährige Förderung erhielt.

Ein Blick auf den Hof von Frau Bremer

Dieses Projekt setzt sie nun mittlerweile seit zwei Jahren auf ihrem Hof in Kölau um. Auf einer Weide hinter dem Baumbestand des Hofes grüßen mit lauten Rufen wie im Chor die Puten und kommen neugierig und ohne Scheu bis zum Zaun. Die Tiere machen einen sehr vitalen Eindruck und sehen mit ihrem schönen Gefieder sehr sauber aus. Sie stehen in Gruppen und verhalten sich sehr friedfertig, nur einige Puter werden gelegentlich am Zaun aggressiv gegenüber sich ihnen nähernden Artgenossen aus dem Nachbargehege.

Helle, reinrassige Cröllwitzer Puter zur Kreuzung
Helle, reinrassige Cröllwitzer Puter zur Kreuzung
Foto: Peter Block
Helle, reinrassige Ronquieres Puter zur Kreuzung
Helle, reinrassige Ronquieres Puter zur Kreuzung
Foto: Peter Block

Die Mendelschen Kreuzungsregeln helfen weiter

Die Kreuzung von Tieren mit verschiedenen gewünschten Eigenschaften könnte bei der Zucht einer robusten Pute weiterhelfen. Nach der Uniformitätsregel müssten sich dann bei den Nachkommen in der nächsten Generation gewünschte Eigenschaften beider Elterntiere vereinen.

Bei Christine Bremer gibt es auf der Weide verschiedene Gruppenparzellen:

  • Hybridputen (Elterntierhennen [Hockenhull-Wirral white Puten] aus England mit den Eigenschaften schnelleres Wachstum, mehr Fleischgewicht und frühere Reife)
  • reinrassige, ursprünglichen Rassen (die Cröllwitzer und die Ronquieres Puter, mit den Eigenschaften Vitalität für Freilandhaltung, Umgänglichkeit u.Genügsamkeit)

Für die Kreuzung werden sie zur Paarung in kleinen Gruppen zusammengebracht.

Die Putenhennen legen später Eier, die innerhalb von vier Wochen in Brutmaschinen ausgebrütet werden. Daraus schlüpfen Hybridküken, die alle Eigenschaften beider Elterntiere vereinen. Diese werden dann gemästet und können nach 30 Wochen vermarktet werden.

Was macht das Tierwohl aus?

Alle hier gehaltenen Puten können ganzjährig im Freiland mit einfachen Hütten gehalten werden. Sie haben viel Auslauf auf grüner Weide und brauchen dank ihrer Vitalität keine Antibiotika. Ein riesiger Fortschritt für das Tierwohl, auf den Frau Bremer sehr stolz sein kann.

Welch ein Unterschied zu der Massentierhaltung in viel zu engen Stallungen, mit verkoteter Einstreu, verdrecktem Gefieder, schmerzhaft gekürzten Schnäbeln und wiederholten Antibiotika-Gaben sobald auch nur ein Tier krank wird!

Hockenhull-Wirral White Hybrid-Puten zur Kreuzung
Hockenhull-Wirral White Hybrid-Puten zur Kreuzung
Foto: Peter Block
Aus der Kreuzung hervorgegangene Mastputer
Aus der Kreuzung hervorgegangene Mastputer
Foto: Peter Block

Die Aufzucht der Putenküken

Bei Christine Bremer ist damit aber noch lange nicht genug des Tierwohls!

Weil die Aufzucht der Putenküken sehr arbeitsintensiv und teuer ist, soll unter Begleitung der Tierärztlichen Hochschule Hannover nun herausgefunden werden, welche Vorteile es bringt, wenn die in der Brutmaschine ausgebrüteten Küken in kleinen Gruppen Putenammen für die Aufzucht zugeführt werden.

Es steht schon jetzt fest, dass die Kükengruppen mit einer Amme ein koordiniertes Gruppengefühl und mehr Geborgenheit zeigen, was sich günstig auf das Wachstum auswirkt und eine große Arbeitserleichterung in der Betreuung für den Züchter mit sich bringt. Die Kontrollgruppen dagegen entwickeln kein Gruppengefühl sondern leben eher verunsichert nebeneinander her und müssen mehr Beachtung durch den Menschen erfahren.

Cröllwitzer Amme mit 10-wöchigen Adoptivküken
Cröllwitzer Amme mit 10-wöchigen Adoptivküken
Foto: Peter Block
10-wöchige Küken ohne Amme aufgezogen
10-wöchige Küken ohne Amme aufgezogen
Foto: Peter Block

Wie geht es weiter?

Frau Bremer wird ihre Zucht erweitern. Sie wird Küken bis zu einem Alter von zehn Wochen mit Ammen aufziehen und sie dann an Biobetriebe zur Mast verkaufen. Eigene Mast in größerem Stil plant sie zunächst nicht. Sie hat noch viele Ideen, die sie nach und nach verwirklichen möchte, unter anderem auch mit Hühnern.

Möge Christine Bremer ihr engagiertes Handeln durch Erfolge erhalten bleiben und mögen sich Nachahmer finden für ihren nachhaltigen, respektvollen Umgang mit der Natur.

Peter Block und Kristina Huber

Mehr Information:

Projektbeschreibung „Robuste Pute“

Ansprechpartnerin:

Christine Bremer, info@robustpute.de

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