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Mo, 19. April 2021 – Landkreis Uelzen

Klimamanagement der Stadt Uelzen

Unser 2. kommissarischer Vorsitzender Fritz Kaune hat der Allgemeinen Zeitung der Lüneburger Heide eine Stellungnahme zugeschickt, den die Zeitung zu einem eigenen Artikel umgeschrieben hat. Dabei ist der Text unvollständig und zum Teil sinnentstellend wiedergegeben worden. Wir geben hier den ursprünglichen Text als Standpunkt des NABU Uelzen wieder:

Der NABU findet es ja schön, dass die Hansestadt Uelzen sich dem Umweltmanagement verschrieben hat und sogar dafür Planstellen im Hause eingerichtet wurden. Da darf die Bürgerschaft schon etwas erwarten, aber was geschieht tatsächlich? „Grüne Inseln“ in der Stadt als Kohlenstoffsenken, Sauerstoffproduzenten und Temperaturregler durch die Vegetation alter Bäume werden bedenkenlos niedergemacht.

Wegen ungünstiger Lage lange Zeit nicht zu entwickelnde Liegenschaften, die sich selbst zu einem Biotop entwickelt haben, werden in ihrer Bedeutung für das Kleinklima nicht erkannt und auch nicht unter Schutz gestellt. Andere Flächen hätten gleichwohl angeboten werden können. Eine Kartierung aller Baumbiotope innerhalb der Kommune ist nicht vorgesehen, da es sich laut Bürgermeister nur „um eine Momentaufnahme handeln würde“. Die Fläche am Emsberg, wo die Stadt eine Kita bauen möchte, gilt als Wald, für den die Baumschutzsatzung nicht zutrifft. Droht hier nun dem „Wald“ ein schnelleres Ende durch die Motorsäge? Veerßen lässt grüßen, denn dort hat sich gezeigt, wie schnell einem möglichen Investor entgegengekommen worden ist. Dem Schlosspark in Holdenstedt steht noch ähnliches bevor. Haben gar die Klimamanagerinnen in diesen Fällen interveniert oder ein Memo eingereicht, das die klimatische Bedeutung herausgestellt und damit eine Schutzwürdigkeit unterstrichen hat?

Der in der Allgemeinen Zeitung Uelzen vom 03.04.21 dargestellte Aspekt des Verbots von Schottergärten als eines von drei Projekten der Stadt neben allgemeinem Glyphosatverbot und dem Projekt „Fühlerausstrecken“ für den Insektenschutz kann nur als Tropfen auf den heißen Stein betrachtet werden. Aufklären und sensibilisieren ist gut, aber ohne Durchgriffsrechte zur Umwandlung von toten in insektenfreundliche Gärten bleibt die Bauordnung nur ein stumpfes Schwert.

Aus dem städtischen Grünflächenamt müsste doch auch zusätzliche Kompetenz zu erwarten sein, damit Klimamanagment mehr als die Summe der genannten Projekte plus Energieeffizienz zur CO2-Reduzierung und umweltschonender Mobilität ist. In ihrem Internetauftritt betont die Hansestadt, dass „der Klimaschutz weltweit zu den größten Herausforderungen gehöre. Deshalb habe sich die Hansestadt Uelzen zum Ziel gesetzt, den klimaschädlichen Kohlendioxid Ausstoß vor Ort zu reduzieren“. Auffällig am Klimaschutzkonzept der Hansestadt ist aber die Zusammensetzung der Lenkungsgruppe: Nur ein Mitglied ist nicht aus dem Kreis von Behörden oder der Politik und damit weisungsabhänig. Energieversorgung und –beratung bzw. Wirtschaftsförderung als weitere Vertreter in der Gruppe sind nur bedingt unabhängig. Wirklich unabhängige Vertretungen aus Klimawissenschaft oder von Naturschutzverbänden fehlen völlig. Mit Baumfällungen in großem Maßstab kommt Uelzen dem Klimaschutz aber nicht näher, denn der ist sehr komplex und facettenreich. Hier müssen Vernetzungen unterschiedlichster Bereiche und naturrelevante Wirkungsmechanismen beachtet werden.

Der NABU fordert die Hansestadt auf, endlich ihr Konzept zu überarbeiten, um die Naturschutzbelange in einem aktuellen Plan zu erfassen und festzuschreiben, damit sich Stadtentwicklung und Bauleitplanungen an dem derzeitigen wissenschaftlichen Stand der Umweltdiskussion orientieren können.

Die geneigte Leserschaft mag sich selbst ein Bild davon machen, wie und ob die Stadt diesem Anspruch mit aus Steuermitteln finanziertem Klimamanagment gerecht wird.

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