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Mo, 14. September 2020 – Eimke

Hof Ostermann in Eimke - Ein Bio Betrieb, der sich stetig neu erfindet

Das Hauptgeschäft des Bioland Betriebs ist der Ackerbau bzw. die Saatgutvermehrung, wobei die Bandbreite von Getreide und Kartoffeln über Grassamen bis hin zu Ringelblumen reicht.

Ob dieses „Konzept“ funktionieren kann? Diesbezüglich war sich auch Jörg-Wilhelm Ostermann bis vor ein paar Jahren nicht sicher. Aber heute kann er die Frage mit einem eindeutigen „Ja“ beantworten. Die größte Herausforderung war, geeignete Dünge- und Pflanzenschutzmittel zu finden. Heute experimentiert Jörg-Wilhelm Ostermann z.B. mit Brennesseljauche, Kräuterauszügen (gegen Läuse) und einem speziellen Öl (gegen Kartoffelkäfer).

Im August 2020 waren Kristina Huber und Peter Block zu Besuch bei Jörg-Wilhelm und Verena Ostermann in Eimke. Die beiden Landwirte aus Leidenschaft haben sich viel Zeit für uns genommen, uns viel erzählt und gezeigt.

Rebhühner leben wieder auf den Feldern

Die Umstellung auf Bio, die für viele landwirtschaftliche Betriebe eine große Veränderung und enorme Aufwände bedeutet, war für den Hof Ostermann kein großer Akt. Tatsächlich war der Betrieb auch davor schon sehr auf das Thema Bodenqualität bedacht und hatte schonende und nachhaltige Verfahren im Einsatz. Entsprechend war die offizielle Umstellung eigentlich nur mehr der letzte Feinschliff - der dann aber doch nochmal den Unterschied für die Natur gemacht hat: So durfte das Ehepaar Ostermann bereits wenige Monate später wieder Rebhühner auf ihren Feldern begrüßen, welche in den Jahren davor quasi komplett verschwunden waren.

Heimischen Wildkräuter als Pufferstreifen

Das Wohlergehen der Natur und der Tierwelt liegt Herrn und Frau Ostermann sehr am Herzen. Um Insekten und Vögeln wieder Lebensraum zurückzugeben, wollen sie ab dem nächsten Jahr Pufferstreifen mit heimischen Wildkräutern zwischen den bewirtschafteten Flächen anlegen. Und – im Vergleich zu vielen anderen Landwirten, versucht Jörg-Wilhelm Ostermann möglichst viele seiner Flächen auch im Winter grün zu halten. Das bietet zum einen den Tieren Deckung und dient ihnen als Nahrungsquelle; und zum anderen fördert diese Maßnahme nachhaltig die Bodenqualität.

Tee aus eigenem ökologischem Anbau

Verena Ostermann hat sich vor ein paar Jahren ihren ganz eigenen Herzenswunsch erfüllt: Eine Tee-Manufaktur. In den drei Mischungen, die sie derzeit vertreibt, finden sich nur Blätter und Blüten aus eigenem ökologischem Anbau. Und was die Tees darüber hinaus besonders wertvoll macht, ist die Tatsache, dass hier noch von Hand geerntet wird.

Blühende Teepflanzen – ein Paradies für Insekten
Blühende Teepflanzen – ein Paradies für Insekten
Foto: Peter Block
Getrocknete Blüten
Getrocknete Blüten
Foto: Kristina Huber

Damit scheint Verena Ostermann den Nerv der Zeit zu treffen: Die Nachfrage ist in der letzten Zeit so sehr gestiegen, dass sie sich nun auf die Suche nach weiterem Personal machen muss. Das Portfolio an Teemischungen, das in Kürze von drei auf sechs erweitert werden soll, wird auch über immer mehr Vertriebskanäle angeboten. Man findet diese z.B. in den Hofläden Elbers und Niemann, kann sie aber auch online bestellen. Und schon bald sollen die Tees auch über das Regionalregal der Initiative „Ökomodellregion Uelzen“ angeboten werden.

Dabei hebt Frau Ostermann aber auch hervor, dass sie den Dingen nicht einfach ihren Lauf lässt: Sollte die Nachfrage einmal nicht mehr bedient werden können, wird sie sich von dem ein oder anderen Kanal auch wieder zurückziehen. Denn der Zukauf von Zutaten, der dann erforderlich wäre, kommt für sie nicht in Frage.

Kräutersalze und Öle aus eigener Herstellung

Nebenbei steht Verena Ostermann bereits mit weiteren Produkten in den Startlöchern: Kräutersalze und Öle aus eigener Herstellung. Die notwendigen Gerätschaften stehen hierfür schon bereit, an den Rezepturen wird derweil fleißig gefeilt. Natürlich gilt es dann sich in diesen Segmenten erst einmal zu etablieren. Doch wenn man sich den aktuellen Trend im Konsumverhalten hin zu mehr Regionalität ansieht, dürfte dem Erfolg auch an dieser Stelle nichts im Weg stehen.

Mutterkuhherde mit Welsh Black und Limousin

Neben dem Ackerbau spielt inzwischen auch die Vieh- und speziell die Rinderhaltung auf dem Hof Ostermann eine immer größere Rolle. Genauer gesagt sind es zwei kleine Mutterkuhherden mit insgesamt gut einem Dutzend Tieren, die Jörg-Wilhelm Ostermann in seiner Obhut hat. Das Besondere an dieser Form der Haltung ist, dass die Kälber nicht von ihren Müttern getrennt werden sondern bei ihnen bleiben dürfen. Die Rassen, für die man sich entschieden hat, sind Welsh Black und Limousin. Beide sind für ihre Robustheit und eine herausragende Fleischqualität bekannt, die Welsh Black darüber hinaus auch für ihr ruhiges Gemüt. Derzeit weiden die Tiere auf zwei unterschiedlichen Plätzen: Auf einer Fläche unweit des Hofs und im Kiehnmoor – ein Schutzgebiet inmitten des Rheinmetall Schießplatzes. Dort verbringen sie den ganzen Sommer; zum Winter werden sie dann mit einem Triebwagen auf den Hof bzw. in die Ställe gebracht.

Welsh Black Mutterkuh mit ihrem Kalb
Welsh Black Mutterkuh mit ihrem Kalb
Foto: Ostermann
Große Weideflächen im einsamen Kiehnmoor mit normaler Einzäunung
Große Weideflächen im einsamen Kiehnmoor mit normaler Einzäunung
Foto: Peter Block

Weidetierhaltung im Wolfsrevier

Obwohl das Kiehnmoor ausgewiesenes Wolfsrevier ist, ist die Weide, auf der die Limousin Rinder weiden, lediglich einfach eingezäunt. Diese Tatsache lässt vermuten, dass der Wolf bisher keine wirkliche Gefahr für die Tiere darstellt. Und tatsächlich ist dem auch so. Vor einigen Jahren wurden einmal Reste von einem Rind gefunden; wobei nie bewiesen werden konnte, dass es hier einen Wolfsriss gegeben hat. Doch was ist es, das die Tiere für den Wolf uninteressant macht bzw. ihn womöglich sogar abschreckt? Zum einen werden die Tiere erst auf die Weide getrieben, wenn sie schon relativ groß sind. Und zum anderen ist die Herde von Jörg-Wilhelm Ostermann nicht allein im Kiehnmoor – sie wird links und rechts von anderen Mutterkuhherden flankiert, die jeweils ca. 45 Tiere zählen. Darüber hinaus ist der Rheinmetall Schießplatz für seinen reichen Wildbestand bekannt. Und Wild steht – langjährigen Untersuchungen zufolge – ganz oben auf dem Speiseplan des Wolfs.

Offen für neue Konzepte

Mit der Mutterhaltung, die in den nächsten Monaten und Jahren noch weiter ausgebaut werden soll, erfindet sich der Hof nochmal neu. Und genau das ist es, was ihn ausmacht. Jörg-Wilhelm und Verena Ostermann sind Neuem gegenüber überaus aufgeschlossen und sehr darauf bedacht sich und ihr Tun stetig in eine gute Richtung weiterzuentwickeln. Dabei wünschen wir ihnen auch weiterhin viel Erfolg!

Heidekräuter – Heil- und Gewürzpflanzenanbau

Text: Kristina Huber & Peter Block

Kategorie: Ökologisch leben

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